Ostern – Ostergedicht – Hase – Osterhase – Ostereier – Eier – Korb – Krise
Der Hase in der Krise
© Merlin
Da sitzt er nun, klein Nimmersatt,
auf großer weiter Wiese
und ringsherum nur Eisalat -
der Hase in der Krise
ein fettes Minus unter’m Strich
nun wundert er sich bitterlich
wo gestern doch so viel gewesen
bleibt ihm der Korb nur voller Spesen
den er zu heben machtlos ist
die Lage scheint ihm ziemlich trist
denn kurz gesagt, Herr Meister Lampe
steckt ganz schön tief jetzt in der Pampe
wo einst das Feld war voller Eier
lauert jetzt der Pleitegeier
sackt sich ein die kargen Reste -
aus der Traum vom Luxusneste
alles futsch, so denkt er sich
Hase sein ist fürchterlich
würde alles dafür geben
wär’ er bloß nicht mehr am Leben
mag nicht ertragen diese Not
als vielmehr braten, mausetot
will längste Zeit gewesen sein
und lieber in der Röhre fein
schmoren bis er gar serviert
die Hinterläufchen filetiert
auf Soßentellern sorglos baden
wo Gaumen derer sich dran laben
die vor Schadenfreude lachen
noch so ihre Witze machen
ehe dem sie auch schon später
selbst geraten unter Räder
unter den’ der Hase liegt
doch scheinbar nur ist er besiegt
denn viel zu clever ist der Wicht
und wittert auch schon Tageslicht
vergisst den Kummer auf die Schnelle
er wie gewöhnlich immer helle
fängt das Spiel von Neuem an
ist alsbald wieder vorne dran
und hortet seine Eierberge
noch versteht er sein Gewerbe
auch von Skrupel keine Spur
begibt er sich auf Mitleidstour
klopft gebrechlich oben an
ob irgendwer ihm helfen kann
als hätte man’s vorweg gedacht
wird Hase eireich über Nacht
fragt sich nur auf wessen Kosten
sich die Türme wieder posten
tut als wäre nichts gewesen
der vom Abgrund flink genesen
und schon läuft es wie geschmiert
man Langohr wieder groß hofiert
als heilig Retter der Nation
wie mancher da von früher schon
verschiebt er seine Kontingente
über alle Kontinente
übt sich gleich wie kurz zuvor
wer fürchtet schon das Eigentor
wenn es um Erträge geht
der Weitblick denn meist hinten steht
jongliert er seine bunte Fracht
aus wenig wird jetzt viel gemacht
preist sie an von bester Güte
und schon treibt die Wirtschaftsblüte
bis das Blattwerk sich verliert
wird haltlos wieder spekuliert
aus Eins mach’ Zwei und Drei dann Acht
randvoll bis die Schwarte kracht
und aus der Ferne Schiffbruch winkt
da manches Ei gen Himmel stinkt
logisch, wenn es lange liegt
man’s ewig hin und her verschiebt
es für immer haltbar denkt
will keiner so ein Ei geschenkt
so in etwa oder ähnlich
ist der Lauf von Krisen nämlich
wenn sie zyklisch uns beehren
vermag nur einer sich zu wehren
der, den alle Welt schon kennt
wie ein Pfeil durch Landen rennt
wird’s mal unter’m Hintern heiss
er immer einen Fluchtweg weiß
und sei es nur ein Unschuldsblick
der manchem brach schon das Genick
weil blinder Glaube ihm geschenkt
nun selbst an einem Aste hängt
bleibt zum Ende jene Frage
wer dran schuld ist an der Plage
dann stellt einer sich in Quere
macht sei’m Namen alle Ehre
und mit großen Kulleraugen
die zum Vorspiel immer taugen
beteuert er vorm Hochgericht:
Er heißt Hase und weiß von nichts!
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